08.03.2021 

Heute habe ich viel nach gedacht: Über Feminismus, über meine Vergangenheit und wie ich alles heute einordne. Vor zehn Jahren hab ich Feminismus nicht verstanden, beziehungsweise wusste ich überhaupt nicht, wofür man ihn braucht. Für mich waren alle Menschen gleich, Frauen können auch gemein sein und nicht alle Männer bla bla bla. Für solche Aussagen schäme ich mich heute manchmal, aber ich muss mich nicht schämen, denn ich wusste es damals nicht besser. Ich dachte, ich wäre gleichberechtigt. Ich hab damals natürlich nur an mich gedacht und habe auch nicht verstanden, dass ich Teil des Problems bin. Ich habe nicht verstanden, wieso ich früher lieber mit den Jungs abgehangen hab. Die sind einfach cooler, dachte ich. Ich habe nicht verstanden, warum ich mich manchmal immer noch dafür schäme laut und wütend zu sein, wenn ich Ungerechtigkeit kritisiere. Das gehört sich nicht, dachte ich. Ich habe nie hinterfragt, wieso ich eigentlich immer nur Bücher von Männern gelesen habe und Bilder von Männern im Museum angesehen habe. Das ist einfach so, dachte ich. Frauenquote? Braucht man nicht, dachte ich. In meinem Umfeld hat das niemand hinterfragt und wenn da jemand laut und wütend war, habe ich mich fremdgeschämt. Denn laut sein gehört sich nicht, dachte ich. Denn wer laut und wütend ist nervt, ist hysterisch, zu extrem und soll mal bitte nicht so empfindlich sein. Mir ging es scheinbar nicht schlecht, aber irgendwas hat einfach nicht gepasst. Irgendwie war mir die ganze Sache nicht geheuer. Es äußerte sich in zum Beispiel indem ich Dinge getan habe, um die Gefühle eines Mannes nicht zu verletzten und dabei meine eigenen Gefühle hinten angestellt habe. Sprich ich mit Männern geschlafen habe, weil sie ja jetzt schon bei mir zu Hause waren und wir uns ja schon geküsst hatten and on and on and on. Und was wäre passiert, wenn ich nein gesagt hätte und es nicht nur gedacht hätte? 

Ich bin nicht unbedingt dafür bekannt still und ruhig zu sein und trotzdem war ich jedes Mal stumm als ich in der Vergangenheit sexuell belästigt wurde. Und das erste was ich zu meinen Freunden sagte, als ich ihnen davon berichtete war: Ich war ganz normal angezogen. Ist das nicht absurd? Ich suchte die Schuld bei mir, gab mir die Schuld dafür, dass irgendein ekliger Typ mitten am Tag in einem leeren Bus seinen Schwanz an mir reibt. Ab da bröckelte der schöne Gedanke der Gleichberechtigung in mir. Ich wünschte, ich hätte früher davon Wind bekommen, hätte sowas in der Schule gelernt, wäre als junges Mädchen aufgeklärt worden. Aber es ist nie zu spät.


NIEDER MIT DEM PATRIARCHAT!

02.03.2021

Mein iCloud-Speicher ist voll. Mal wieder. Ich sehe mir dann immer zuerst die Videos an. Ich entdeckte etliche Videos, die eigentlich Fotos werden sollten. Dann fand ich ganz viele Videos von uns. In der Vergangenheit löschte ich nie Aufnahmen von meinen gescheiterten Beziehungen. Ich finde es wichtig diese Erinnerungen zu behalten. In zwanzig Jahren wäre ich bestimmt traurig, wenn ich diesen Teil meiner Geschichte nicht dokumentiert hätte. Ich sammle ja alles, wieso sollte ich diesmal eine Ausnahme machen? Ich sah mir die Videos an. Ich wirkte glücklich, aber ich kann es nicht gewesen sein. Ich war definitiv nicht glücklich. Ich wollte so sehr, dass es funktioniert, dass ich mir und dir etwas vormachte. In Wahrheit hatte ich ständig Angst, war angespannt. Wann mache ich wieder etwas falsch, wann bist du wieder böse auf mich, wann lässt du mich wieder all deinen Hass spüren? Ich erinnere mich, dass manchmal nach der Aufnahme eines solchen Videos, auf denen ich ach so glücklich aussehe, der Terror wieder los ging, du mich erniedrigtest, anschriest, kleinmachtest. Die Videos, auf denen ich so aussehe, als wäre ich glücklich, zeigen nur was für eine gute Schauspielerin ich war. Ich spielte allen etwas vor, niemand wusste, wie es mir geht. Am meisten spielte ich mir selbst etwas vor. Ich spielte eine Rolle und hatte keinen Zugang mehr zu meinem Inneren. Am Schluss habe ich mich kaum mehr getraut Auto zu fahren, weil du immer ausgerastet bist, während ich fuhr. Dabei liebe ich das Fahren. Du selber konntest nicht fahren, denn du hattest keinen Führerschein. Classic. 

Ich löschte fast alle Bilder und Videos. Ich werde dich nicht vergessen, weil ich ohne dich nicht die wäre, die ich heute bin, aber dafür brauche ich keine Bilder. Die Narbe, die du hinterlassen hast, reicht mir als Erinnerung.

23.02.2021

Mein Bauch ist voll. Ich habe mich überfressen. Ich habe zum ersten selber Mal Nudeln gemacht. Es war sehr gut. Ich bin etwas enttäuscht von mir, da ich es momentan nicht immer schaffe mich vegan zu ernähren. Aber ich muss ja nicht alles perfekt machen. Ich habe nur so ein schlechtes Gewissen, den Kälbern und Kühen gegenüber. Eigentlich lebt man nur in Schuld. Ständig. Nur weil man existiert, die falsche Kleidung trägt, das falsche Duschgel benutzt oder die Nivea Soft Tagescreme. Nun ja. Step by Step. Ich gebe mir Mühe. Ich sitze am Tisch und frage mich, wann mal wieder etwas passiert. Ich hab mir beim Nudeln abgießen die Finger verbrannt. Die Nudeln sind neben das Sieb gefallen und ich wollte sie mit den Händen dann ins Sieb packen. Natürlich waren die Nudeln kochend heiß. 

22.02.2021

Ich bin rast- und ruhelos. Ich habe mir heute schon fünf Mal eine andere Hose angezogen. Warum? Ich weiß es nicht. Keiner sieht mich in meiner Hose. Die erste war zu weit, die zweite zu eng, die dritte war zu grau, die vierte hat gejuckt und die fünfte, eine blaue Jogginghose mit den drei gelben Streifen, lasse ich jetzt an. Ich arbeite an fünf Projekten gleichzeitig und komme gefühlt in keinem weiter. Obwohl ich Aufgaben erledigt habe und auf meiner To-Do-Liste durchstreichen konnte, bleibt das Gefühl von „Du hast etwas geschafft!“ aus. Das schöne Wetter setzt mir zu. Nicht, dass ich mich nicht freue, aber der Frühling ist mir grad zu progressiv und damit kann ich heute nicht umgehen. Wie auch, letzte Woche lag noch Schnee und jetzt braucht man noch nicht mal mehr eine Jack. Der Übergang ist zu hart. Durch die Sonne und den blauen Himmel entstehen Glücksgefühle, aber mein Kopf kann das Glück noch nicht fassen. Mein Nachbar von oben macht wieder seine Gesangsübungen. Der perfekte Soundtrack zu meiner Ruhelosigkeit. Ich bin nervös, als würde ich auf jemanden warten. Auf jemanden, den ich lange nicht mehr gesehen habe und in den ich die Erwartung setze mein Leben jetzt gefälligst zu regeln. Natürlich weiß ich, dass da niemand kommt und das macht mich noch ungeduldiger. Dieses Warten auf die Zukunft fühlt sich wie ein voller Rucksack nach dem Vorratseinkauf an. Geduld ist nicht mein favourite cup of tea.

18.02.2021 

18.02.2021 Ich muss in den Supermarkt. In den Supermarkt zu gehen ist die einzige Tätigkeit, die mich zurzeit aus der Wohnung zwingt. Manchmal gehe ich spazieren, aber heute muss ich nur in den Supermarkt. Ich ziehe mir meine fliederfarbene Wollmütze an, stülpe die Kapuze meines grauen Kapuzenpullovers über und wickle mir einen Schal um den Hals. Ich nehme meine schwarze Daunenjacke von der Garderobe, packe Handy, Schlüssel und Portmonee ein, greife meinen Rucksack und den Jutebeutel mit den Pfandflaschen. Ich checke meine Jackentaschen und fühle in der rechten noch eine Maske. Ich kann los. Ich schließe die Türe hinter mir zu und gehe die Treppe nach unten. Der ochsenblutfarbene Boden zeigt überall Rückstände von geschmolzenem Schnee. Die Flecken erinnern an das Camouflage-Muster der Bundeswehr. In der ersten Etage riecht es immer nach kaltem Rauch. Ich öffne die kleine Tür in den Hof. Der Schnee von heute Nacht wurde zur Seite gekehrt, doch er fängt auch schon an zu schmelzen. Die Luft ist mild und im Gegensatz zur Temperatur der letzten Wochen wirkt sie frühlingshaft. Trotzdem ist es uselig und ich möchte am liebsten umdrehen und wieder zurück. Als ich dann die Straße betrete bin ich erschrocken. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es plötzlich grau und matschig ist. Der Schnee fühlt sich unter meinen Füßen nicht mehr fest an, sondern nur noch flüssig. Er fließt unter mir davon. Ich stapfe durch die Pfützen. Das Streusalz klemmt sich dabei unter meiner Schuhsohle ein und erzeugt dabei ein unangenehmes Geräusch. Bei jedem Schritt kratze ich den Bürgersteig. Ich laufe die Straße entlang und komme an einer Matratze vorbei. Sie liegt seit Tagen dort und schreit mich an, dass ich in großen Lettern „I’m tired of good times!“ auf sie sprühen soll. Ich biege links ab und kratze weiter den Boden mit meinen Schuhen. Der Himmel ist grau und ich habe das Gefühl, dass ein Filter vor meinen Augen liegt. Alles ist verschwommen, aber es ist nur der Nebel, der auf der Straße liegt. Es sind erstaunlich viele Leute auf der Straße, die alle durch die Pfützen laufen. Das Geräusch des Schneematsches löst eine Gänsehaut bei mir aus. Wie kann die Welt gestern noch so schön gewesen sein und heute fließt die Schönheit in den Gulli? Ich fühle mich wie ausgekotzt. Die Wirklichkeit erinnert an den Morgen nach einer Saufnacht. Der Glanz der gestrigen Nacht ist am Morgen danach verflogen.

 

Hinter mir höre ich schnelle Schritte und beschleunige meinen Schritt. Ich biege rechts ab und ziehe mir meine Maske an. Meine Brille beschlägt und ich nehme sie ab. Jetzt sehe ich wirklich alles verschwommen. Ich gehe links über den Zebrastreifen und bin angekommen. Die Türen des Supermarkts öffnen sich und ich trete ein.

13.02.2021 

Morgen ist Valentinstag. Dieser Tag hatte noch nie eine Bedeutung für mich. Seltsam eigentlich, da ich ja alles was mit Liebe zu tun hat toll finde. Ich bin auch kein Valentinstaggegner. I don’t care, blabla, Kapitalismus, schnulzig, kotz. Wenn ich in Beziehungen war und ein Geschenk bekommen habe, habe ich mich gefreut. Denn ich mag Geschenke. Und wenn es einen Tag gibt an dem man Blumen bekommt (ich liebe Blumen) dann finde ich das gut. Aber wenn ich keine bekomme, finde ich das auch nicht schlecht. Ich bin also nicht traurig, dass morgen Valentinstag ist und ich Single bin. Im Gegenteil. Ich bin heute sehr glücklich alleine. Ich hatte heute morgen ein Date, wir trafen uns am Kanal. Er war kleiner, als er in seinem Profil angegeben hat. Warum lügen Männer in den Profilen was ihre Größe betrifft? Ich kann mir vorstellen, dass das kacke für einen Mann sein kann klein zu sein, aber zu lügen ist noch beschissener. Dann ist er nicht nur klein, sondern auch ein Lügner. Ciao! Trotzdem war ich froh, dass ich raus war. Der Kanal war zugefroren und wir konnten darauf laufen. Manchmal hat es geknackt und ich hatte Angst, dass ich in Wasser falle. Aber es ist nichts passiert. Viele Menschen sind Schlittschuh gelaufen. Ich frage mich wieso so viele Berliner Schlittschuhe besitzen. Die Sonne schien und ich konnte den ganzen Tag konzentriert arbeiten. Wenn doch nur alle Tage so wären. Blödsinn, wenn alle Tage so wären, würde ich nicht mehr merken, dass das heute ein guter Tag war. Ich brauche die schlechten Tage, um die guten zu sehen und zu genießen. Meine neue Bio Handcreme ist doof. Sie stinkt und hinterlässt ein seltsames Gefühl.

 

11.02.2021 

Die letzte Woche war hart. Ich steckte in einer tiefen Krise. Ausgelöst durch die Serie Dawson‘s Creek. Ich muss lachen, während ich das schreibe. Aber es ist wahr. Und es war leider überhaupt nicht lustig. Eine Woche lang konnte ich nicht schlafen. Ich bin mehrere Nächte erst morgens um sieben eingeschlafen und musste nach zwei, drei Stunden Schlaf wieder aufstehen. Was war los?

Ich hatte Liebeskummer. Liebeskummer wegen dem Schauspieler Joshua Jackson. Und seiner Rolle Pacey Witter. What the fuck? Wie kann ein Mensch so toll sein wie Pacey Witter in der 4. Staffel. Ich weinte unentwegt, weil ich begriff, dass ich bisher nie so einen Mann kennengelernt hatte. Ich hatte nie so eine Beziehung wie er in Dawson‘s mit Joey. Ich empfand eine so tiefe Trauer, wie ich sie bisher nur selten erlebt hatte. Schnell rutschte ich ins Selbstmitleid: Ich werde niemals so einen Mann kennenlernen! Und weinte noch mehr. Ich bin mir sicher, dass das viele Weinen auch am Schlafentzug lag, aber es war fürchterlich. Ich redete wenig und starrte oft aus dem Fenster oder in die Luft.  Ich dachte nichts. Ich war einfach nur traurig. Wie kann man Liebeskummer haben, wegen einer Person, die es gar nicht gibt? Wie kann man Sehnsucht nach jemanden haben, der nicht existiert? Es zerriss mich innerlich.

Zum Glück kam dann Staffel 5 und 6. Der Spuk war vorbei, aber ich begriff, dass es hier nicht um Joshua Jackson ging. Haha, wer hätte das gedacht. Es ging um dich.

Eben saß ich auf dem Sofa und begriff, dass ich all meinen Groll gegen dich losgelassen habe. Ich habe kein negatives Gefühl mehr für dich. Die letzte Woche war die letzte Trauer, der letzte Kummer, das letzte Festhalten. Ich bin nicht mehr wütend, ich hab keine Angst mehr vor dir. Du hast mich nicht gebrochen. Ich hab endlich losgelassen. Ich habe dir verziehen. Ich habe endlich: Ciao! gesagt. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber ich fühle mich frei. Von dir und unserer Vergangenheit. 

 

Danke Joshua Jackson!

 

31.01.2021 

Heute hatte ich wieder einen Moment des Glücks. Ich hatte schon gestern geplant aufs Feld zu gehen, denn die Wetter-App sagte ab 13 Uhr Sonne und minus 1 Grad voraus. Da es vorgestern geschneit hatte, blieb der Schnee liegen. Als ich dann heute auf dem Feld ankam, war ich überwältigt von dem vielen Schnee, der Sonne und der Weite. Ich musste sehr lange lachen. Nicht hysterisch, sondern glücklich. Ich war vollkommen zufrieden mit dem Moment. Als ich noch getrunken habe, hatte ich solche Momente manchmal nach drei Bier. Aber ich konnte sie nicht speichern, mich nicht erinnern. Jetzt kann ich das. Ich kann wirklich glücklich sein. Und von diesen Momenten kann ich mich lange ernähren. Ich stapfte also durch den Schnee und hörte „Strange“ von Celeste. Nie zuvor gehört. Sie sang: 

 

Isn't it strange?How people can change
 From strangers to friends
 Friends into lovers
 And strangers again

 

Ja, das ist strange. Ich dachte lange darüber nach. Diese Gedanken tun mir immer weh. Viele Freunde sind jetzt Fremde. Meine Exfreunde sind Fremde. Man teilt sein Leben so eng miteinander, weiß alles voneinander und jetzt weiß man einfach nichts mehr. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man alle sieben Jahren seine Freundeskreise erneuert. Das könnte auch bei mir zutreffen, obwohl auch viele Freunde geblieben sind. Wenn man nicht achtsam ist, dann zerläuft es sich schneller als man denkt. Der Abstand zwischen den Anrufen wird immer größer und irgendwann ist der Abstand so groß, dass ein Telefonat ewig dauern müsste, um die momentanen Lebensumstände zu erklären. Und dann ruft man nicht mehr an, weil man ja Zeit für das Gespräch braucht. Man will ja nicht nur fünf Minuten reden. Als mir früher Erwachsenen erklären wollten, dass das Leben nicht immer so sei wie zur Schulzeit, hab ich ihnen nicht geglaubt. Aber klar, jeder macht sein Ding. Die einen heiraten und bekommen Kinder, die anderen ziehen um und fangen noch mal neu an und ich, ich gehe bei Schnee und Sonnenschein aufs Tempelhofer Feld und bin glücklich. Isn’t it strange?


 

 

09.01.2021 

Ich sitze auf meinem Sofa. Es ist halb zwölf. Mein Bauch blubbert. Habe 4 Teller Pastinaken Suppe gegessen. Die Typen auf Tinder sind alle irre. Eine Freundin sagte heute, wir müssen dort die Nadel im Heuhaufen finden. Ich glaub ich finde da gar nichts. Außer verrückte Dullibatze. Dating Apps sind fürchterlich. Ich gebe dort niemandem eine Chance. Im Reallife versuche ich gegen Oberflächlichkeiten an zu kämpfen, auf Tinder kommt aber das Schlimmste in mir zum Vorschein. Der Typ muss auf einem Foto nur eine kurze, umgekrempelte Jeans tragen und ich so: Ciao! Oder Hip-Hop-Kappen. Schrecklich. Ich wische nach rechts!

 

Wie sollte der Mann meiner Träume denn eigentlich sein? Er sollte groß sein, nicht rauchen, gar nicht oder nur sehr wenig trinken, kein Fleisch essen, alleine wohnen, eine Beschäftigung haben, sich für Kunst und Inneneinrichtung interessieren, gerne kochen und Humor haben. Und er muss Feminist sein. Wenn er noch ein Auto und einen Hund hätte, wäre das natürlich von Vorteil. Hahaha. Ich wünsche mir viel Glück. 

 

Das ist das Problem mit Tinder. Ich backe mir meinen Traummann im Kopf und soll ihn dann anhand eines Fotos erkennen. Aber ich schließe ihn ja schon kategorisch aus, wenn er eine umgekrempelte, kurze Jeans trägt. 

 

Life is hard. Ich sollte öfters zu Alnatura gehen. Da sind die Männer sehr schön. Und da Winter ist, trägt dort auch keiner eine kurze, umgekrempelte Jeans.

 

 

 

 

03.01.2021

Ich habe es satt. Ich habe es satt mir die Scheiße von irgendwelchen Arschlöchern anhören zu müssen. Ich will in meinem Umfeld keine rassistische, homophobe oder sonstige menschenverachtende Scheiße mehr hören. Und ich werde niemals still sein, wenn so eine Kackscheiße in meinem Umfeld gesagt wird. Jeder hat die Wahl ein besserer Mensch zu sein. Jeder kann sich jeden Morgen nach dem Aufstehen entscheiden. Auch ich habe in meinem Leben schon rassistische, homophobe und sonstige menschenverachtende Scheiße erzählt. Zum Teil absichtlich, zum Teil unabsichtlich. Ich war nicht informiert, ich wusste es nicht besser. Aber ich habe zugehört. Natürlich ist es für mich manchmal schmerzlich zu merken, dass ich einen rassistischen Gedanken habe. Aber ich hinterfrage ihn. Wieso denke ich das? Wieso gibt es all diese Vorurteile. Was kann ich tun, dass ich keine rassistische, homophobe oder sonstige menschenverachtende Scheiße reproduziere? Es geht hier nämlich nicht um mich. Es geht um uns alle. Es geht um Gerechtigkeit. Es geht darum das Leben zu respektieren. Und es geht darum, dass man die Wahl hat. Man hat jeden Tag die Wahl kein Arschloch zu sein.  

 

17.12.2020 


Ich bin wütend, weil wir nicht unsterblich sind. Ich bin wütend, dass wir körperlich verfallen. In letzter Zeit denke ich viel nach. Über das Leben, den Sinn und über mich. Meine Oma ist sehr alt und es ging ihr die letzten Wochen sehr schlecht. Kurzeitig dachte ich, sie würde sterben. Zum Glück geht es ihr besser. Alt werden ist scheiße. Meine Oma war eine unabhängige, starke Frau, die sich seitdem Tod meines Großvaters vor fast 33 Jahren, ohne zu beschweren allein beschäftigte. Sie war immer unterwegs, war immer am Machen. Jetzt entwickelt sie sich zu einem Baby zurück. Kann nicht mehr laufen, kann nicht mehr sehen und nichts mehr verstehen. Es zerreißt mir das Herz. Manchmal werde ich wütend, weil sie so negativ ist und jammert. Aber ich bin nicht wütend auf sie, sondern weil ich mich so hilflos fühle. Ich möchte ihr helfen und weiß nicht wie. Ich will sie schütteln und ihr zeigen, dass das Leben auch jetzt noch gut sein kann. Aber wie arrogant kann ich eigentlich sein? Ich kann nur erahnen, was es heißt alt zu sein. Wie frustrierend es sein muss nicht mehr alles eigenständig machen zu können. Die Welt dreht sich immer schneller und man selbst wird langsamer und findet nur noch schwer seinen Platz darin. Ich wäre gern geduldig und liebevoller. Auch zu mir. Ich darf wütend und traurig sein. Auch auf meine Oma. Sie war immer die starke und weise Frau. Meine Heldin. Es gab nur sie und meine Mutter. Und jetzt wird sie immer kleiner und trauriger. Es tut weh, wenn Helden verschwinden. Ich habe Angst sie zu verlieren. Angst lähmt uns. Angst lässt uns nicht mehr die wichtigen Dinge sehen. Die Angst vor ihrem Tod lässt uns alle nicht mehr die Zeit genießen, die wir jetzt noch zusammen haben. Wir sind in der Zukunft, nicht im Heute. Heute geht es ihr gut und wir sind zusammen. Und lachen. Und sie nervt mich wegen des Kassenzettels aus dem Supermarkt, denn sie will niemanden mehr Geld schulden, wenn sie tot ist.  

 

10.12.2020

Ich war grad auf Tinder. Ich frage mich, wann sich die ersten Paare in meinem Bekanntenkreis trennen. Ich habe grad mehrere Profile von Männern gesehen, die in meinem Alter waren, die in ihrem Profil stehen hatten: 2 Kinder. Wenn ich das lese, bin ich froh, dass ich mit 32 Single bin und noch nie mit einem Mann zusammen gelebt habe. 

 

Früher waren Eltern für mich Erwachsene, die wussten wies läuft. Sie waren Helden. Jetzt weiß ich, dass das leider nicht stimmt. Erwachsene sind auch nur Menschen. Sie machen Fehler. Sie bekommen Kinder und trennen sich. Sie gehen fremd. Sie haben Probleme: Erwachsenenprobleme. Und danach sieht man sie dann wieder auf Tinder und das Ganze geht von vorne los. 

03.12.2020


Heute Nacht habe ich von meiner Jugendliebe geträumt. Die Stimmung im Traum fühlte sich nach 00er Jahren an, aber er spielte in der Gegenwart. Wir wollten beide ein Liebescomeback unserer Beziehung, doch mein Freund war betrunken und aus einem unbestimmten Grund sauer auf mich. Er war sehr verärgert und verfolgte mich in einem Hotel. Ich rannte durch ein Treppenhaus und versuchte zu fliehen. Doch leider gelang es mir nicht. Plötzlich stand er besoffen im Foyer vor mir und schrie mich an: „Du musst dich ändern! Du musst alles ändern, denn so bist du falsch. Du bist scheiße, wie du bist“. Blablabla. Ich blieb unbeeindruckt. Ich lachte, denn er hatte sich wohl nicht verändert, seitdem wir 13 waren. Trotzdem schrie ich zurück: „Ich brauche dich nicht, ich bin glücklich mit mir selbst. Was denkst du eigentlich, wer du bist?“ 

 

Ich wachte von meinem eigenen Geschreie auf. Etwas irritiert von meinem Traum empfand ich tiefste Zufriedenheit. Ich war zufrieden. Ich hatte es geschafft eine Grenze zu ziehen und erkannt, dass ich so eine Beziehung nicht mehr will. Wenn ein Typ so mit mir spricht, dann will ich ihn nicht. Denn ich habe Besseres verdient, zum Beispiel mich selbst.

 

 

15.11.2020 

Grade kam mir der Satz eines Polizisten in den Kopf, der meine Personalien aufnahm, als ich bei einem Festival mit Gras erwischt wurde. Der Polizist fragte mich nach meinem Geburtsdatum. Ich war zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Nachdem ich antwortete, sah er mich mit einer Mischung aus Ekel und Arroganz an und sagte: „So jung und schon süchtig!“. Ich wurde mit 1,3 Gramm auf einem Reggae-Festival erwischt, daher lachte ich über die Aussage des Polizisten und war empört. Jetzt sehe ich: Er hatte recht. Und muss noch lauter lachen.


Aber was brachte denn seine Feststellung, wenn mir danach keine Hilfe angeboten wurde? Einen Bullen, der so abfällig mit mir sprach, nahm ich nicht ernst. Wäre es ein Süchtiger oder eine Süchtige in Genesung gewesen, hätte ich vielleicht zu gehört. Da sie aus Erfahrung sprechen und auf Augenhöhe.


Manchmal frage ich mich: Warum bin ich süchtig? 

Die Antwort ist: Ich war es schon immer. Erst war es meine Phantasie, dann Bücher, dann Liebe, Alkohol und Drogen. Hauptsache ich musste nicht in meinem Leben sein und konnte ihm entfliehen. 

Dann tut mir die alte Julie leid, denn das Leben kann so schön sein, wenn man es denn will. 

09.11.2020 

Seit einer Woche durchfluten mich immer wieder Gedanken der Sinnlosigkeit. Ich weiß nicht was ich machen soll, ich weiß nicht was ich will, ich weiß nicht was das alles soll, ich weiß nicht was das Leben soll. Alles ist sinnlos. Ich werde für immer alleine sein. 


Natürlich nicht, aber ich kann mir heute keine Zukunft mit irgendwem vorstellen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen mein Leben mit irgendjemanden zu teilen. Ich habe heute leider keine Zukunft für dich.

Wieso sind alle Menschen unsicher? Unsicherheit ist einer der Top 3 Gründe für Streit, Gewalt und Kacke. Sobald Menschen unsicher sind schlagen sie um sich, anstatt einfach zu sagen, dass sie unsicher sind. Alle sind unsicher. 


Ich finde Menschen einfach nur noch anstrengend. Und doch sehne ich mich nach Verbindung. Die Welt ist schwarz. Seit fast zwei Wochen schlafe ich nicht mehr richtig. Ich weiß woran es liegt, aber das lässt mich auch nicht schlafen. Ich muss es aussitzen.

Abgefuckte Scheiße. Was soll das bringen? Wieso sind wir Rudeltiere? Es nervt.

 

01.09.2020

Wieso hat er meine Gedanken noch im Griff? Menschen, die nicht in einer solcher Beziehung waren, können es selten verstehen:


Wenn man gefangen ist. Wenn man so manipuliert wird, dass die eigenen Bedürfnisse immer untergeordnet werden. Wenn man immer versucht ja nichts falsch zu machen, damit der andere nicht ausflippt. Wenn man krankhaft seine beste Seite zeigen will, damit der Andere endlich Ruhe gibt. Wenn man jeden Funken Hoffnung aufsaugt, um sich einzureden, dass es besser wird. Wenn man jede Entschuldigung glaubt, weil man nicht verstehen kann, dass jemand der einen angeblich liebt, einen so hasst. 

Er wollte mich am Boden sehen. Erst dann war er zufrieden. Aber der Boden wurde zum Keller, und der Keller wurde zu einem Bergbaustollen. Es ging nur tiefer. Wenn ich weinend am Boden lag trat er nach. Und trotz all dem flehte ich ihn weiter an: 
Bitte hab mich lieb! Bitte hab mich lieb! Bitte hab mich lieb! Bitte hab mich lieb! Bitte liebe mich doch! Bitte hab mich lieb! 

Ich wollte immer nur, dass er mich wieder in Arm nimmt. Das diese Erniedrigungen aufhören. Wenn er mich dann in den Arm nahm, war ich wie auf Droge. Ich war abhängig.

23.08.2020 

Man sagt, dass man, wenn man mit dem Trinken aufhört in dem Alter weiter lebt, in dem man mit dem Trinken begonnen hat. Ich bin jetzt also 14 Jahre alt und gehe zum ersten Mal in meinem Leben nüchtern auf ein Date. Ich hatte in der Vergangenheit selten Dates und wenn, dann waren sie meistens mit Alkohol verbunden. Man hat sich voll laufen lassen und dann hat man gevögelt. Gestern traf ich mich mit einem Tinder-Date für einen Spaziergang vorbei an den verschiedenen Sehenswürdigkeiten Berlins. Es gab einen plötzlichen Regenschauer und wir tranken einen Kaffee im Haus der Kulturen der Welt. Das Café dort ist im Stil der 60er Jahre eingerichtet. Meterhohe Decken, Beton, Holz, lange Sofas. Ich trank einen Cappuccino. Draußen regnete es in Strömen und alles sah völlig unwirklich aus. Der Regen prasselte nicht, sondern fiel schnell und leicht vom Himmel, die Sonne schien dabei und wir sahen einen Regenbogen. Wir unterhielten uns über Meryl Streep und Greta Gerwig Wir gingen nach dem Cappuccino weiter spazieren und kamen an einem Camp von Verschwörungstheoretikern vorbei. Am Schluss aßen wir noch einen Donut zusammen. Es war perfekt, aber er ist nicht mein Typ. 


Es macht Spaß nüchtern auf richtige Dates zu gehen. Schöne Dinge zu machen und neue Leute kennen zu lernen. Ich bin locker und nicht mehr schüchtern oder seltsam drauf. Vor ein paar Wochen ist der Knoten geplatzt. Keine Ahnung wieso. Aber es fühlt sich gut an. 

 

23.08.2020 Warnung! Der folgende Text enthält Szenen von Gewalt.

Ich trennte mich. Heute vor neun  Monaten.

Ich werde nie vergessen, wie er mich im Flur mit seinen schweren Timberlands in den Bauch trat. Ich fiel zu Boden. Er trat nach. Ich kroch ins Schlafzimmer und er schloss die Tür von außen ab. Er sperrte mich ein. Ich hatte solche Angst, dass er geht und mich dort drin lässt. 

 

Mir wurde endlich klar: Er wird mich umbringen, wenn ich ihn nicht verlasse. 

 

Vorher hatte ich ihn immer noch verteidigt und mir es irgendwie zurechtgebogen, doch an diesem Tag wachte ich schließlich auf. Ich konnte es nicht mehr beschönigen. Dieser Mann ist ein Monster. Dieser Mann liebt mich nicht. Dieser Mann ist krank und er wird mich irgendwann umbringen. Er handelt nach einem Muster, wie tausende andere. Er wird sich nicht ändern. Hoffen bringt nichts. Es gibt keine Hoffnung für ihn. Für uns. Es war nur Glück, dass nie mehr passiert ist. 

 

Wer so etwas nicht erlebt hat, kann es nur schwer verstehen. Man hat solche Angst zu gehen, dass man bleibt. Man hofft und hofft, dass es endlich besser wird. Er verspricht und verspricht, aber nichts ändert sich. Man löst sich in Luft auf. Man versucht zu funktionieren, alles richtig zu machen und macht dabei alles falsch. Man möchte nur geliebt werden, aber bekommt nur Hass. Und anstatt zu gehen und sich selbst zu lieben, bleibt man. 

Wieso? Ich schämte mich. Ich glaubte ihm. Ich hoffte. 

 

Doch jetzt bin ich frei. 

 

17.06.2020 

Mein Herz ist gebrochen. Das Pflaster bleibt nicht kleben. So oft hatte ich ein gebrochenes Herz. Ich brach es mir selber. Ich trug mein Herz immer außerhalb meines Körpers. Jeder konnte darauf treten. Ich beschütze es nie. Jetzt trage ich es in mir. Die Blutgefäße werden angenäht. Das schmerzt sehr. Doch bald wird es wieder schlagen.

 

16.06.2020 

Ich bin glücklich. Genau in diesem Moment. Ich sitze auf dem Feld. Die Sonne scheint, außer das Krähen einer Krähe ist es still. Weit weg höre ich das Rauschen der Autos. Ein Motorrad heult. Ein Kind ruft seine Mutter. Ich nehme einen Schluck meines Kaffees-To-Go. Eine Krähe beobachtet mich. Ihr Schnabel ist weit geöffnet. Ich spüre Gras an meinen Füßen. Für einen kurzen Augenblick habe ich meine Kopfschmerzen vergessen. Die Krähe hüpft. Sie umkreist mich. Ich drehe mich nach ihr um, sehe sie an und sie hüpft davon. Seltsam. Ein Baum spendet mir Schatten, mein Haar weht vor meinen Augen im Wind. Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee To-Go. Die wenigen Wolken stehen still am Himmel. Weit entfernt sehe ich den Fernsehturm. Ich beiße in mein Brokkoli-Törtchen. Der Mürbeteig bröselt auf meine Decke. Ich frage mich, wieso die Container auf dem Flugplatz leer stehen. Wo sind die Geflüchteten hin und wieso kommen keine neuen? 

 

13.06.2020 

Ich muss einfach akzeptieren, dass ich immer noch an ihn denke. Aber es ist anstrengend immer noch an ihn denken zu müssen. Meine Haut an den Armen ist wieder so schlecht geworden. Wie besessen drücke ich an ihnen rum. Ich kann nicht aufhören und drücke und drücke. Es sieht nicht gut aus. Die Gedankenspirale dreht sich nach unten. Ich will ihm in meinen Gedanken keinen Platz geben. Ich drücke und drücke. Meine Haut fühlt sich rau an. Alles ist voll mit roten, dicken Hubeln. Man nennt das wohl Reibeisenhaut. Irgendeine Störung. Die Haarwurzeln verhornen und daher die roten Punkte und die Pickel. Ich sehe fürchterlich aus. Und drücke und drücke. Er hat es nicht verdient, dass ich noch an ihn denke. Aber ich habe Flashbacks von den Erniedrigungen, der Gewalt und wie machtlos ich mich dabei fühlte. Ich drücke und drücke und drücke. Es kommt gar nichts raus. Meine Arme schmerzen vom Drücken. Die obere Seite meines Unterarms sieht aus wie eine Kraterlandschaft. 

 

Es tut weh.  

 

04.06.2020 

Mein Kopf ist voll. Ich bin überfordert. Dabei ist alles machbar. Ich bin einfach gestresst, wenn die Sachen nicht so funktionieren, wie ich das gerne hätte. Nichts hat heute funktioniert. Heute Mittag fand ich noch alles spitze. Jetzt finde ich alles kacke. Ich gehe jetzt schlafen, etwas anderes macht keinen Sinn. Morgen ist ein neuer Tag.

 

26.05.2020

Ich bin so froh, dass ich frei bin. Ciao, du Opfer! 

Ich bin keins mehr.

 

19.05.2020 

Ich hatte nicht gelernt unabhängig zu sein. 

Als Kind war ich von meiner Mutter abhängig, weil sie mir Nahrung gab. Völlig normal, denn: 

  Kein Essen = Tod 

In der Pubertät soll man sich dann von der Mutter abnabeln und begreifen, dass man sich selbst versorgen kann. Sich selbst lieben kann. Das habe ich wohl verpasst. 

War kiffen und machte mich stattdessen von romantischen Beziehungen abhängig. Ich setzte die Liebe meines Partners mit Nahrung gleich. 

  Keine Liebe = Tod. 

Alleine hatte ich Todesangst und wollte aus dieser Angst heraus sterben. Es war kompliziert.

 

Jetzt koche ich täglich für mich, esse viel Gemüse und bin am liebsten allein.

 

15.05.2020 

 

Ich habe lange nicht verstanden, was es bedeutet erwachsen zu sein. Dabei habe ich mich selbst sehr ernst genommen, ohne mich dabei praktisch ernst zu nehmen. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass ich in der Vergangenheit ernsthaft Verantwortung für mich und mein Leben übernommen habe. Wenn doch, dann habe ich nur Pseudo-Verantwortung übernommen. Oder ich habe Verantwortung gespielt. Sowie ich als Sechsjährige Mutter-Vater-Kind gespielt habe. 

 

14.05.2020 

Ich spüre, dass ich wachse. 


Ich erinnere mich an einen Jungen aus der Schule, der sehr groß war. Es ging das Gerücht umher, dass er in der Vergangenheit einen Wachstumsschub hatte und über Nacht zehn Zentimeter gewachsen sei. Er soll dabei große Schmerzen gehabt haben. Mich hat diese Geschichte bis heute nicht losgelassen. 

Ich fühle mich wie dieser Junge. 
Ich wachse und wachse und manchmal tut es weh. 

 

11.05.2020 

Ich vergesse immer wieder, wie krank du bist. 

Wie konnte ich nur glauben, dass ich dich heilen kann? 

Ich vergesse immer wieder, wie krank ich war.

 

09.05.2020 

Ich fühle mich einsam. Einsam ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich habe das Bedürfnis, dass sich jemand um mich kümmert. Ich fühle mich bedürftig. Es ist anstrengend sich selber Liebe zu geben, sich selber zu lieben.


Wie soll man sich denn selbst umarmen? Als Kind habe ich mich manchmal in eine Ecke gestellt, mich selber umarmt und so getan, als würden ich mit jemanden knutschen. Wenn ich das jetzt mache, komme ich mir blöd vor. 


Ich frage mich, ob ich weiß was Liebe ist. Ich wollte Sicherheit. Blieb aber in einer Beziehung, die lebensgefährlich war. Die Angst vor Einsamkeit war größer, als die Angst zu sterben. 

Das war Wahnsinn. 

07.05.2020 

Es fällt mir schwer loszulassen. Wie soll ich ihm verzeihen, wenn ich mir selbst nicht verzeihen kann? 

 

23.04.2020 

Seit ein paar Tagen nehme ich nachts eine Wärmflasche mit zum Schlafen. In Kombination mit einem Seitenschläferkissen fühlt es sich fast wie ein Mensch an. Wenn ich nachts aufwache, drücke ich die Wärmflasche ganz fest an mich und schlafe wieder ein. Ich bin erstaunt darüber, wie lange eine Wärmflasche warm bleibt. 

 

11.04.2020 

Es tut weh. Es tut weh, dass mein Traum geplatzt ist. Ich dachte, ich wäre verliebt gewesen. Wenn man denkt man sei verliebt, dann ist man es doch. Oder? Ich war glücklich, dass du endlich in meinem Leben warst. Ich dachte, du wärst der Letzte. Aber ich dachte es nur. Die Wahrheit war eine andere. 


Ich will dich nicht mehr sehen. Jedes Mal, wenn ich dich sehe, schmerzt es. Denn jedes Mal werde ich daran erinnert, wie sehr du mich verletzt hast. Jedes Mal werde ich daran erinnert, dass du mich nicht respektierst hast. Und jedes Mal werde ich daran erinnert, dass ich mich selbst nicht respektiert habe. 


Es tut weh. Deine Welt dreht sich weiter. 


Was will ich überhaupt? Dich will ich nicht mehr. Ich versinke im Selbstmitleid, der Nicht-Bekommen-was-man-will-Abteilung. Es tut weh an dich zu denken. Es tut weh. Immer noch. Es kommt in Wellen. Manchmal bist du mir egal. Manchmal bekomme ich keine Luft.


Ich habe Angst. Ich habe Angst wieder verletzt zu werden. Ich habe Angst mich zu verlieren. Ich habe Angst vor neuen platzenden Träumen. Sehnsucht ist nicht schön. Ich wünschte, ich würde nur vermissen. Ich traue mir selbst nicht mehr. Ich bin wackelig. Innerhalb von Sekunden könnte ich alles ändern. 


Aber ich denke nicht mehr, dass ich in dich verliebt bin. Also bin ich es nicht. 

 

17.02.2019  Warnung! Der folgende Text enthält Szenen von Gewalt.


Ich lag im Bett und schlief. Gegen circa 8 Uhr weckte er mich. Er hielt mir mein Handy vor mein Gesicht und schrie: 

 „Warum hast du mich angelogen? Wieso hast du das getan?“ 

Er hatte ein Foto auf meinem Handy gefunden, das beweisen sollte, ich hätte ihn angelogen. Ich versuchte ihn von der Wahrheit zu überzeugen. Dass ich nicht gelogen hatte. Dass es ein Missverständnis war. Irgendwann fielen mir keine Rechtfertigungen mehr ein. Dann kam der erste Schlag ins Gesicht. Er schlug mit der flachen Hand an meine linke Wange. 

 „Rechtfertige dich jetzt, sag die Wahrheit!“ 

Er drohte mir mit der Faust und drohte mir immer wieder er würde mir die Nase brechen. Ich schütze meinen Kopf unter einem Kissen. Er schlug wieder zu. Auf den Rücken, gegen die Rippen und in den Bauch. Er beschimpfte und erniedrigte mich. Dann schlug er auf meinen Laptop. Der Bildschirm zerbrach. Er schmiss sein Handy gegen die Wand. Ich floh von meinem Hochbett ins Badezimmer und rief eine Freundin an. Danach ging ich wieder in mein Zimmer. 

Ich wollte nicht, dass er ging. Ich stieg wieder hoch ins Bett und weinte: 

 „Bitte verlass mich nicht!“ 

Ich flehte er solle mich nicht verlassen. Doch bat ich ihn zu gehen, meine Freundin wäre bald hier. Er bettelte darum noch eine Nacht bleiben zu dürfen. Ich sagte meiner Freundin, sie müsse nicht mehr kommen. Er wollte mit mir schlafen. Ich sagte nein. Es kam kurz zum Geschlechtsverkehr, ich brach ab. Er begann wieder mich zu beleidigen, dann schwor er mir wieder seine Liebe. Irgendwann schliefen wir ein. Er wachte auf und verließ das Hochbett. Er nahm die Leiter weg, sodass ich nicht hinunter konnte. Ich wollte runterspringen, um ihn vom Gehen abzuhalten. Er stellte die Leiter zurück. Wieder beleidigte er mich. Ich hielt ihn fest. Ich versuchte die Tür abzuschließen, damit er nicht gehen konnte. Wir setzten uns aufs Sofa. Er hielt mir ein Feuerzeug an die Haare und drohte sie anzuzünden. Der Streit ging weiter. Ich hielt ihn fest und wollte ihn nicht gehen lassen. Er zündete meine Haare an. Es roch verbrannt. Er drohte mir so lange mit dem Feuerzeug bis ich ihn gehen ließ. Die Tür fiel zu.